Der “G-Punkt” und andere Mysterien des weiblichen Orgasmus

Um den weiblichen Orgasmus ranken viele Mythen. Und tatsächlich herrscht in der Forschung in vielen Fragen auch kein flächendeckender Konsens. Problematisch ist aber eher, dass das Thema noch immer in einer Tabuzone steckt und die Fakten den meisten Menschen nicht umfassend bekannt sind. Ich habe mich intensiv mit dem weiblichen Orgasmus beschäftigt, um mit den häufigsten Missverständnissen zu diesem Thema aufzuräumen.

G-Punkt und vaginaler Orgasmus

Genau genommen handelt es sich bei dem G-Punkt nicht um einen konkreten Punkt, sondern eher um eine Zone. Diese wurde 1950 von Ernst Gräfenberg entdeckt und näher studiert. Daher auch der Name G-Punkt bzw. G-Zone. Anatomisch gesehen besteht die G-Zone aus Drüsengewebe, das sich um die Harnröhre an der vorderen Scheidenwand nahe der inneren Klitoriszwiebeln befindet.
Allerdings ist die Bedeutung der G-Zone für den Orgasmus in der Forschung umstritten. So nehmen manche Forscher an, dass dieses Gewebe der G-Zone durchaus bei einem bestimmten Prozentsatz der weiblichen Menschen zu finden ist. Doch sei dies eher eine Normvariante als die Regel.
Im Klartext: Bei manchen Menschen mit Vagina steigert die Stimulation dieser Zone das Lustempfinden, was auch zum Orgasmus führen kann. Bei anderen ist das nicht der Fall.

Allein in Hinblick auf die anatomische Nähe gibt es in der Forschung ebenfalls die Ansicht, der vaginale Orgasmus würde durch die Klitoris ausgelöst – nur eben von innen. Viele empfinden jedoch bei Stimulation der G-Zone kaum oder gar keine Erregung. Vielleicht gilt der vaginale Orgasmus auch wegen seiner Rarität als so sagenumwoben. Das macht ihn allerdings nicht “besser” oder “richtiger”, auch wenn Sigmund Freud den klitoralen Orgasmus nur einen “Trostpreis” nennt. Ein sehr früher Fall von Mansplaining würde ich sagen. 😉
Im Grunde ist es doch so, dass der vaginale Orgasmus kein heiliger Gral sein sollte. Entweder erregt dich diese spezielle Zone oder eben nicht. Und um das herauszufinden hilft nur probieren statt studieren. Und für alle, die es noch nicht probiert haben: Ihr wisst ja jetzt, wo ihr die G-Zone finden könnt.  😉

Die Klitoris

Wer denkt, die Klitoris sei nur dieses kleine Knöpfchen oberhalb der Vulvalippen, liegt falsch. Das ist nämlich nur der Kopf einer weit größeren Sache (ja, sogar größer als mancher Penis). Die Klitoriseichel ist dabei ähnlich wie die Eichel am Penis mit einer Vorhaut versehen. Diese umschließt sie wie eine Kapuze.

Eingebettet in die großen Vulvalippen bildet die Klitorisvorhaut mit Eichel zusammen mit den kleinen Vulvalippen, der Öffnung der Harnröhre und dem Scheidenvorhof die Vulva.
Die Vulva wird häufig fälschlicherweise als Vagina bezeichnet. Die Vagina ist allerdings von außen nicht sichtbar.
Hinter den großen Vulvalippen erstrecken sich die langen Klitorisschenkel. Durch Stimulation und sexuelle Erregung schwillt die Klitoris mächtig an – und zwar bis zu 300%.

Das Ende meiner kurzen Exkursion bringt mich zu dem Schluss, dass es wichtig ist, den eigenen Körper zu erkunden und genau zu horchen, was ihm gefällt. Phänomene wie ein Orgasmus, der ausschließlich vaginal entsteht oder die weibliche Ejakulation sind interessant, aber kein Muss. Tut euch selbst etwas Gutes, entspannt, masturbiert, habt Sex mit einer anderen Person und vor allem: Treibt es bunt! 🙂

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